Bewahrung der Schöpfung: Wie weit reicht die Verantwortung der Konsumenten?

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Alle sind sich mit Papst Franziskus wohl darin einig, dass wir stärker Verantwortung für die Umwelt übernehmen müssen. Viele sind bereit, umweltbewusster einzukaufen, gelegentlich das Fahrrad statt des Autos zu benutzen, bei der Waschmaschine auf den Wasser- und Stromverbrauch zu achten und Müll zu trennen. Der moralische Druck auf die Konsumenten wächst mit einem einfachen Argument: der Konsum und vor allem das weitere Wachstum des Konsums erhöhen den Druck auf die Umwelt. Also sind nach dem Verursacherprinzip Konsumenten wesentliche Verursacher der Umweltprobleme – und damit sind sie es, die durch eine Änderung ihrer Konsumgewohnheiten den Schlüssel zur Lösung der Probleme in der Hand halten.

So einfach macht Papst Franziskus es sich in Laudato Si nicht. Er wählt nicht den in religiösen Kreisen häufig beschrittenen Weg, nur auf die individuelle Verantwortung zu setzen und von der Umkehr der Einzelnen eine Wendung im Großen zu erwarten. Und er hat recht, denn das allein wäre naiv. An einem grundlegenden Umbau wesentlicher Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft kommen wir nicht vorbei, darauf weist Franziskus in weiten Teilen der Enzyklika hin. Das jedoch ist eine politische Aufgabe und keine Privatsache der Konsumenten. Daher sind wir in der Verantwortung für die Umwelt nicht nur als individuelle Verbraucher, sondern auch und vor allem als politisch denkende und handelnde Bürgerinnen und Bürger gefragt.

Relevante Vorarbeiten

Seit längerem befasse ich mich philosophisch, aber auch mit Blick auf konkrete Maßnahmen mit Fragen der nachhaltigen Entwicklung und der Zukunftsethik. Dabei spielen verschiedene Themen eine Rolle wie z.B. die Rolle des technischen Fortschritts in der Lösung der großen Umweltprobleme, die häufig nicht intendierten Nebenfolgen neuer Technologien, aber eben auch Konsum und Konsumentenverantwortung. Das Thema der Konsumentenverantwortung habe ich vor einigen Jahren in einem Buch „Ende einer Illusion. Warum ökologisch korrekter Konsum uns nicht retten wird“  aufgearbeitet, mit einer nicht unbeträchtlichen Resonanz.

Als Wissenschaftler, als Ethik und an Nachhaltigkeit interessierter Staatsbürger, aber auch als katholischer Christ bin ich begeistert, dass Franziskus dem Thema der Bewahrung der Schöpfung so zentrale Aufmerksamkeit zukommen lässt. Man könnte auch sagen: das wurde endlich Zeit!

Für nähere Informationen: www.itas.kit.edu/mitarbeiter_grunwald_armin.php, und für Kontakt: armin.grunwald@kit.edu

Prof. Dr. Armin Grunwald

Author: Prof. Dr. Armin Grunwald

Prof. Dr. Armin Grunwald, Institutsleiter, Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Professor für Technikphilosophie am Institut für Philosophie des KIT

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