Die Verteilungsfrage zwischen Ökonomie und Ökologie

Die Enzyklika thematisiert an mehreren Stellen die ungleiche Verteilung von Besitz und Macht, insbesondere im globalen Maßstab, und stellt sie zusammen mit der ökologischen Frage in den übergreifenden Kontext der Gerechtigkeit. Auch in der (wirtschafts-)wissenschaftlichen Diskussion wird neuerdings wieder die Bedeutung der Einkommens- und Vermögensverteilung verstärkt diskutiert. Traditionellerweise dominierte dort allerdings die Betonung der potentiellen Konflikte zwischen größerer Verteilungsgerechtigkeit, wirtschaftlicher Entwicklung und Ökologie. Zwar werden in jüngerer Zeit in der Wissenschaft eher die positiven Wirkungen einer gleichmäßigeren Verteilung für die wirtschaftliche Entwicklung betont; jedoch dominiert nach wie vor die Auffassung, daß es einen Konflikt zwischen Entwicklung und Verteilung einerseits und ökologischer Umorientierung andererseits gibt.

Hier zeigt die Enzyklika eine andere Sichtweise auf, indem sie bei der Verteilung nicht nur Einkommen und (Geld- wie Sach-)Vermögen im Blick hat, sondern auch die Verteilung der bzw. die Verfügbarkeit von lebenswichtigen natürlichen Ressourcen. Unter diesem Blickwinkel könnte der Konflikt zwischen Armut/ungleicher Verteilung und ökologischer Nachhaltigkeit ein Scheinkonflikt sein. Der Beitrag geht diesen unterschiedlichen Sichtweisen nach und zeigt auf, welche Schlußfolgerungen sich aus ihnen jeweils ergeben.

Prof. Johannes Schmidt

Author: Prof. Johannes Schmidt

Johannes Schmidt, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Karlsruhe, befaßte sich bereits in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts mit Fragen der Umweltökonomie und der Nachhaltigkeit sowie Gestaltungsmöglichkeiten der Globalisierung. Seine augenblicklichen Arbeitsschwerpunkte sind Makroökonomik und Geldtheorie.

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