Nachhaltige regionale Transformation und räumliche Gerechtigkeit

Ulf Hahne Transformation
Prof. Dr. Ulf Hahne
Universität Kassel

Papst Franziskus mahnt in seiner Umweltenzyklika einen transformativen Kurswechsel an, um der ökologischen und soziale Krise des Planeten entgegenzutreten.

Dieser Pfadwechsel erfordert nicht nur verstärkte Handlungs-Anstrengungen auf internationaler Ebene, sondern auch Aktivitäten auf allen subsidiären Ebenen. Der Hinweis der Enzyklika auf die Notwendigkeit lokaler und regionaler Anstrengungen trifft sich mit der aktuellen Diskussion um »die Große« und »viele kleine« Transformationen. Ohne den Beitrag der Städte und Regionen wird ein Umsteuern zum Abfedern der multiplen Krise nicht gelingen.

Der Beitrag diskutiert die Haltung und Vorschläge des Papstes zur lokalen und regionalen Transformation aus Sicht der Stadt- und Regionalentwicklung. Im Jahrhundert der Städte wird gerade von den Städten ein wichtiger Transformations-Beitrag erwartet. Doch Stadt und Land sind beide Treiber der ökologischen und sozialen Probleme des Planeten, bringen aber auch zahlreiche innovative und transformative Kräfte und Ideen hervor. Auch wenn der Papst sowohl bei seiner Analyse als auch durch Nennung zahlreicher positiver Wandlungsbeispiele die Bedeutung ländlicher Räume hervorhebt, bleibt festzuhalten, dass ohne eine Politik der Stärkung ländlicher Regionen die weltweite Migration weiter angeheizt und die Stadtproblematik im 21. Jahrhundert nochmals verschärft wird. Problemlösungen müssen in jedem Fall vor Ort erarbeitet werden.

Ökologische Transformation

Die ökologische Transformation in Richtung Ressourcensparsamkeit und die ökonomische Transformation in Richtung bedürfnisorientierter Produktion verlangen nach Veränderungen in Produktion und Konsum. Mit der Betonung von Kleinunternehmen, bedürfnisorientierter Produktion, suffizienten und einfachen Lebensstilen finden sich in der Enzyklika Stichwörter, die derzeit im wissenschaftlichen Bereich um Nachhaltigkeits- und Degrowth-Strategien geführt werden. Jedoch kann es nicht um Stagnation im Sinne des Endes von Wachstum und Innovation gehen, sondern gerade um Impulse zur Entfaltung einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Ökonomie – und diese benötigt technische, ökonomische und soziale Innovationen und wird eigene neue Wachstumsfelder und Konsumverschiebungen (z.B. Sharing-Economy) entfalten.

Kleinräumige Strategien bergen schließlich auch Gefahren, wenn sie auf der Basis von lokaler Macht und Ressourcenstärke eigenständige Strategien durchsetzen. Resilienz-Anstrengungen werden ressourcenreichen Regionen leichter gelingen als ressourcenarmen Regionen. Und so verschärft die postfossile Transformation möglicherweise die Spaltung zwischen Reichtumsinseln und Verarmungsregionen. Denn Regionen verfügen nicht über dieselbe Ressourcenausstattung, über die gleiche Verfügbarkeit nutzbaren Landes oder gleich gut geeignete Lernsysteme für die Transformation. All dies stellt die Frage einer gerechten Entwicklung und der ethischen Verantwortung regionaler Entwicklungspfade neu. Auch hierzu liefert die Enzyklika gute Beiträge für einen fruchtbaren Dialog mit der transformativen Wissenschaft und ihren normativen Aspekten.

Prof. Dr. Ulf Hahne

Author: Prof. Dr. Ulf Hahne

Prof. Dr. Ulf Hahne Universität Kassel

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