Ist Zeitwohlstand ein erstrebenswertes Ziel?

Ist Zeitwohlstand für die heutige Gesellschaft eine Alternative zu materiellem Wohlstand?

Die Enzyklika „Laudato si“ thematisiert an vielen Stellen explizit und implizit die Zeitdimension, vor allem im Zusammenhang mit Beschleunigungstendenzen. Ausgehend von einer kurzen Rekonstruktion dieser Thematisierung greift mein Beitrag die Frage nach einer möglichen Entschleunigung unseres Umgangs mit den Grundlagen des Lebens (der Schöpfung) auf.

Hier knüpfe ich an vielfältige Vorarbeiten und an die Beschleunigungsdiagnose Hartmut Rosas (einschließlich der jüngsten Studie zur Resonanz) an, die freilich ganz innerhalb des soziologischen Horizonts verbleiben.

Aus einer konsequent interdisziplinären zeitökologischen Perspektive, die einen kurz-, mittel- und langfristigen Zeithorizont berücksichtig und zusammenführt, wird sodann ein Modell entworfen, das aus drei Säulen (Zeithygiene, Zeitpolitik, zeitbewusste Ökonomie) und drei Eingriffsebenen (Individuum, soziale Mitwelt, natürliche Umwelt) besteht.

Zeitwohlstand als Leitbild des guten (einfachen) Lebens

So ergibt sich eine Matrix, innerhalb derer Synchronisations- und Resonanzprozesse modelliert bzw. gestaltet werden können. Eine wichtige Rolle bei der zeitökologischen Konkretisierung des Leitbilds des guten Lebens bzw. der nachhaltigen Entwicklung durch die Berücksichtigung von Synchronisations- und Resonanzbeziehungen spielen natürliche, soziokulturelle und individuelle System- und Eigenzeiten.

Die für die Spezies Mensch basale System-/Eigenzeit ist dabei der zyklisch-rhythmische Wechsel von Eingreifen und Begreifen. Durch ihn erfährt die Bedeutung von Zeitwohlstand eine neue, nämlich anthropologische Begründung.

Kann Zeitwohlstand helfen den Turbokapitalismus zu überwinden?

Insgesamt soll gezeigt werden, wie auf diese Weise die Wachstums- und Beschleunigungszwänge des Turbokapitalismus schrittweise und grundlegend überwunden werden können, wie Verhältnisse und Verhalten durch wechselseitige Befruchtung neu ausgerichtet werden können.

 

Prof. Dr. Fritz Reheis

Author: Prof. Dr. Fritz Reheis

Prof. Dr. Fritz Reheis Universität Bamberg

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