Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Martina Eick in Rio
Martina Eick in Rio

Der Papst schildert – auch angesichts des sehr intensiven Austauschs mit Wissenschaftlern vieler Disziplinen – die Lage unseres Planeten, unseres Hauses, eindrücklich und schonungslos. Pointiert legt er den Finger in die Wunden und ruft alle Menschen zum Dialog auf, was ein wenig an die Weltbürgerbewegung des WBGU erinnert. Und natürlich mahnt er immer wieder die Barmherzigkeit an und die Achtsamkeit im Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. Großherzigkeit, Barmherzigkeit, das sind moralische Kategorien mit Wurzeln in der katholischen Soziallehre, es sind keine politischen, schon gar keine klassisch ökonomischen Kategorien. Gerechtigkeitspolitik kann darauf nicht verbindlich und verpflichtend zu fußen, auf keiner der Ebenen unseres föderalen Systems. Ferner ist Gerechtigkeitspolitik global im ganzen Haus nicht mit Ausgleichsmaßnahmen und Ablasshandel zu verwirklichen. Es ist eben nicht so, dass Naturausbeutung hier mit Baumpflanzung dort auszugleichen wäre.

Die Ökosysteme funktionieren nicht wie ein beliebiger Naturgüterverschiebebahnhof und Ökosystemdienstleistungen sind in systemarer Gänze mehr als die Summe der Einzelfunktionen. Regional zerstörte Kreisläufe und Dysfunktionalitäten sind nicht reparierbar durch Renaturierung andernorts und ob die ferne gut gemeinte, großherzige Maßnahme dort ins Naturgleichgewicht und Ökosystem passt oder schlimmstenfalls auch noch zu fernen Regionalschäden führt, ist oft erst langfristig und zu spät wahrnehmbar.

Daher soll diesem Artikel der geografische Betrachtungsraum die Region sein, ein wachsames Beobachten und kollaboratives Handeln vor Ort im Sinne starker Nachhaltigkeit, für die in Laudato Si zweifelsfrei plädiert wird.

Martina Eick

Author: Martina Eick

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.