Klimawandel und die Tragik des Menschseins

Prof. Dr. Thomas Hauf
Prof. Dr. Thomas Hauf
Universität Hannover

Es gibt keinen wissenschaftlich begründeten Zweifel mehr, dass der Anstieg der Treibhausgas-Konzentrationen wie die des Kohlendioxids (CO2), Methans (CH4), Distickstoffoxids (Lachgas N2O), Ozons (O3) und der Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), zusammen mit der ebenfalls anthropogen verursachten Bodenoberflächen-Änderung (Rodung, Bebauung, Trockenlegung von Mooren etc.) das Klima sukzessive in den letzten zwei Jahrhunderten verändert haben. Typische und für alle sichtbare Veränderungen sind das Schmelzen der Gletscher, der Rückgang der sommerlichen Meereisbedeckung im nördlichen Polarmeer, der Meeresspiegelanstieg und der Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 1-2 Grad. Obwohl es immer noch offene Fragen nach der Ursache dieses raschen Klimawandels gibt, so ist die Wissenschaft doch sehr sicher, dass der Mensch verantwortlich für diesen Klimawandel ist, auch wenn das Klima sich in der Vergangenheit aufgrund von Erdbahnschwankungen, Vulkanausbrüchen, Änderungen der Meeresströme, Meteoriteneinschläge, Veränderung der Sonnenstrahlung permanent geändert hat und immer noch aufgrund dieser Einflüsse ändert.

Klimawandel – Quellen der Treibhausgase

Die wissenschaftliche Analyse hat schnell die Quellen der Treibhausgase ausgemacht: die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die Rodung der tropischen Wälder, der Verkehr, etc. – alle Zahlen sind bekannt und nach Verursacherland, -art und -ausmaß aufgeschlüsselt. Die Botschaft der Wissenschaftler über die zukünftige Klimaentwicklung und den Einfluss auf alle Lebensbereiche blieb nicht ungehört.

Das Intergovernmental Panel on Climate Change, ein Zusammenschluss mehrerer tausend Klimaforscher aus aller Welt, etablierte sich und publiziert in regelmäßigen Abständen den neuesten Sachstand, zuletzt 2014. Ein neuer Zweig der Politik, die Klimapolitik, entwickelte sich, vor allem in den Industriestaaten und entwickelten Ländern, mit dem Ziel, die negativen Folgen des Klimawandels zu bekämpfen, zu begrenzen oder sich an sie anzupassen. In einer Folge von Klimakonferenzen versucht man durch internationale Vereinbarungen die Treibhausgasemissionen zu begrenzen und zu reduzieren. Wird dies gelingen, so fragen sich viele? Skepsis ist angebracht.

Der Papst hat die menschliche Gier als eine der übergeordneten Ursachen ausgemacht. Verallgemeinert gesagt, das Böse im Menschen sei die Haupttriebfeder des anthropogenen Klimawandels. In diesem Beitrag wird eine andere Sichtweise präsentiert.

Der Autor reduziert die Gründe für den Klimawandel auf drei Ursachen:

1. Die Zunahme der Weltbevölkerung – oder der Fortpflanzungstrieb
2. Das Streben nach Verbesserung der eigenen Lebenssituation
3. Die menschliche Neugier – das Faust’sche Element in uns.

Natürlich werden sämtliche Handlungen des Menschen, sei es als Individuum oder im Kollektiv einer Gesellschaft, von der Hand des Teufels abgelenkt, um in einem christlichen Bild zu sprechen. Gier, fehlendes Gerechtigkeitsempfinden, Egoismus und Hartherzigkeit sind in Zeiten des Global Change immer aktiv – aber – und das steht im Gegensatz zu Laudate si, die drei genannten Gründe sind ohne menschliche Schuld.

Wer will es einem Menschen verwehren, Nachkommen zu zeugen?  Wer will es den tausenden Flüchtlingen, die in diesen Jahren zu uns kommen wollen, ankreiden, dass sie ihre Heimat aufgeben, nur auf der Suche nach Frieden und besseren Lebensumständen?

Und wer will es den Menschen verwehren, die Geheimnisse des Weltalls, des menschlichen Körpers und der Natur allgemein, zu erforschen, verstehen und zu nutzen? Wenn denn diese drei Gründe die Ursachen des Klimawandels korrekt benennen, dann befindet sich der Mensch in einem Dilemma. Er wird durch sein Menschsein schuldig an Anderen, dadurch dass er atmet, dass er Häuser baut und seinen Wohlstand vermehrt und dass er den technischen Fortschritt ermöglicht.

Der Buchbeitrag diskutiert diese Gedanken und geht dabei andere Wege als in vielen Beiträgen zum Klimawandel, nicht unbedingt hoffnungsfördernd aber, so hofft der Autor, überzeugend.

Prof. Dr. Thomas Hauf

Author: Prof. Dr. Thomas Hauf

Prof. Dr. Thomas Hauf Universität Hannover

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